Eine kleine Geschichte


Eines Tages hatte ich das Gefühl ich sollte einen Spaziergang machen. Als ich so da stand, nahm ich mir vor bis zum Ende der Straße zu gehen. Als ich dort angekommen war dachte ich mir, ich könne gleich noch etwas weiter bis zur Brücke gehen.

Dort angelangt sah ich in der Ferne einen anderen Ort. Nun wenn ich schon bis hierher gegangen bin, warum sollte ich nicht weiter bis zum nächsten Ort gehen. So ging ich weiter bis zu diesen Ort.

Dort angelangt dachte ich mir - wenn ich schon bis hierher gegangen bin, warum sollte ich nicht noch weiter bis auf diesen Hügel gehen.

Dort angelangt dachte ich mir - wenn ich schon bis hierher gegangen bin, warum sollte ich nicht noch weiter bis an die Waldgrenze gehen.

Dort angelangt dachte ich mir - wenn ich schon bis hierher gegangen bin, warum sollte ich nicht noch weiter bis auf diesen Berg gehen.

Dort angelangt ging es nicht mehr höher. Doch rund um mich sah ich zahlreiche Berge - jeder verschieden in Gestalt und Höhe. Plötzlich fand ich einen Sinn im Gehen - ich nahm mir vor alle diese Gipfel zu besteigen. So stieg ich wieder in das Tal hinab um über den nächsten Hang wieder hinauf zum nächsten Gipfel zu gehen.

Als ich so mehrere Berge bestiegen hatte, wollte ich die Berge über ihre steilsten Wege besteigen. So stieg ich über Felswände hinauf bis zur Schneegrenze und weiter über Eiswände höher bis zu den höchsten Gipfel.

Als andere Menschen sahen, dass ich auf die Berge hinaufstieg, fanden auch sie plötzlich einen Sinn im Bergsteigen und so wurden es immer mehr Menschen, die auf die Berge hinaufstiegen und wieder ins Tal abstiegen.

Warum gehen die Menschen in die Berge? Was ist daran so faszinierend? All die Mühen, die Gefahren? Die schönsten und höchsten Berge der Welt sind letzten Endes tote Materie. Der Mensch benützt sie. Er dringt in ihre Welt, weil er in dieser Großartigkeit, in dieser Ursprünglichkeit der Schöpfung sich selbst verwirklichen kann. Weil er hier das Wesentliche seines Menschseins findet. Das Wesentliche liegt nicht in der Zahl der Siege oder Niederlagen. Das Wesentliche zeigt sich in der Einstellung, im Beweggrund der uns in die Berge treibt. Es heißt - die Berge führen uns näher zu Gott. Sie führen uns aber auch näher zum Menschen. Wer lange in die Berge steigt der wird weise und bescheiden und demütig sein.

Kampf oder Spiel. Am Berg ist die Einsamkeit - hier ist die Wand - hier ist der Mensch allein mit seinem Können. Es gibt kein Publikum, das klatscht und pfeift und johlt. Hier pfeifen und klatschen höchstens die fallenden Steine, hier johlt höchstens der Wind. Im Rausch des Regens, im Brausen der Stürme, beim lautlosen Fallen der Flocken oder aber in sengender Sonne sucht sich der Mensch seinen Weg. Manchmal plagt ihn der Durst und der Hunger nagt und trotzdem wird der letzte Apfel geteilt mit einem Freund, der bereit ist sein Letztes zu geben.

So richtig verstehen und akzeptieren wird dies nur jemand können, der selbst von der Faszination der Berge ergriffen wurde und diese Großartigkeit selbst verspüren durfte .......



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