zur Person:
geboren: 23.03.1949, in Braunau/OÖ
Adresse: 9900 Lienz, Dolomitenstraße 8
Telefon: ++43/ 04852/ 6511
Fax: ++43/ 04852/ 658116
e-Mail: franz.kroesslhuber@aon.at

Familie: die Frau des Lebens in Hinterstoder
am Berg kennen und liebengelernt,
4 Kinder, die Söhne bereits über 20 Jahre
Berg, Osttirol und WWKajak begeistert,
Tochter Hannah diesen Interessen
zumindest nicht abgeneigt



Dr. Franz Krösslhuber
(Bergrettungsarzt)

das Interview mit Dr. Franz Krösslhuber:

Wie schaut seine medizinische Ausbildung und Tätigkeit aus?

Praktischer Arzt anschließend Facharzt für Kinder und Jugendheilkunde
Diplom u.a. für Notfallmedizin und Sportmedizin
Alpin u. Höhenmedizin. Diplom, tropenmedizin. Ausbildung
Leitender Notarzt, Praxis für Kinder und Jugendheilkunde



Seine Ausbildung und Aktivitäten in der Bergrettung?

Von Beginn an Notarzt im bodengebundenen Notarztsystem Lienz und
Flugrettung (BMI und Christophorus 7).
Bergrettungsarzt in den Ortsstellen Lienz und Kals,
Rege Kurstätigkeit bei den Ausbildungskursen der Landesleitung,
Beginn der Ausbildung in der Ortsstelle Enzingerboden/Sbg
und dort auch den Winterkurs auf der Rudolfshütte,
Felskurs auf der Karlsbaderhütte, Canyoningkurs der Landesleitung Tirol in Kufstein,
Ausbildungskurse Canyoning in Südfrankreich und Spanien
(in den Pyrenäen -  zusammen mit französischen Bergrettungsärzten,
französischen Alpingendarmerie und spanischer Bergrettung)



Seine bevorzugten Bergaktivitäten?

alles am Berg
von Skitouren über Bergwandern, Klettern, Mountainbike, WWKajak
in den letzten Jahren auch vermehrt Canyoning.



Seine bergsteigerischen Highlights?

Biancograt als erste Westalpentour in früher Jugend,
1982 Teilnahme an der internationalen Annapurnaexpedition,
mehrere Bergfahrten nach Südamerika (Chimborazo, Huyana Potosi, Illimani, Alpamayo),
Langtang und Helambu Trekking in Nepal,
2007 Besteigung des Ruwenzori 5.119 m



Wie siehst Du die Zusammenarbeit der einzelnen Osttiroler Ortsstellen?

Ich denke auf Grund der zunehmenden Ansprüche der Gesellschaft und der
entsprechenden medialen Aufarbeitung wird es zu schwierigen
Rettungseinsätzen kommen, die auch hohe Anforderungen
an die Zusammenarbeit der einzelnen Ortsstellen stellen werden.
Gemeinsame Bezirksübungen und Koordinierungen hinsichtlich Ausbildung,
Ausrüstung und Einsatztaktik sind daher unbedingt erforderlich und wir haben im
medizinischen Bereich bereits damit begonnen.



Wie ist die Zusammenarbeit mit anderen Rettungsorganisationen?

Wir haben gute Erfahrungen bei Sucheinsätzen mit der Freiwilligen Feuerwehr
und der Wasserrettung, sehr gute Zusammenarbeit va. im Ausbildungsbereich
(Erste Hilfe Kurse, Sanitätshilfekurs, Ausbildungsunterlagen und Hilfsmittel)
mit dem Österreichischen Roten Kreuz, bei groß angelegten Übungen auch
mit dem Österreichischen Bundesheer.
Eine vergebliche Bergrettungsarztsuche anlässlich eines Lawinenunglücks vor einigen Jahren hat dazu geführt, dass jeder Einsatz und jede Übung
der Bezirksleitstelle Lienz gemeldet wird.
Nicht zu vergessen die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der Flugrettung,
bei der ja mehrere Flugretter und alle Notärzte der Ortsstelle ebenfalls tätig sind.



Siehst Du als Facharzt für Kinder und Jugendliche Berührungspunkte mit der Bergrettung?

Zwei große und schwierige Probleme der Vorsorgemedizin sind Haltungsschäden und Übergewicht. Beide Bereiche beginnen im Kindesalter – Haltungsschwächen bei 65% der 12 bis 14-jährigen Schüler, enorme Zunahme von Übergewicht und Fettsucht bei Kindern und Jugendlichen – sind also eine Zeitbombe, die jetzt geladen und in nicht ferner Zukunft explodieren könnte.
Gerade alpine Umgebung bietet optimale Anregung für alle motorischen Grundeigenschaften – Wald, Wiese, Wege, Schotter, Fels sind ideale "Trainingsgeräte" für Kinder und Jugendliche und wenn dazu noch Erfahrungen und Wissen über Wetter, Klima, Geologie und Biologie kommen, dann sind Berge wirklich eine Schule des Lebens. Vorausgesetzt natürlich, dass die Sicherheit gewährleistet wird und Sicherheit in den Bergen ist schließlich das Hauptanliegen der Bergrettung.

Lienz, April 2002

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