zur Person:
geboren: 19.02.1946, in Klagenfurt
Adresse: 9900 Lienz, Moarfeldweg 13
Telefon: ++43/ 04852/ 64316
e-Mail: latdoc@pline.at
Familie: verheiratet, 4 Kinder


Dr. Helmut Latscher
(Bergrettungsarzt)

das Interview mit Dr. Helmut Latscher:

Wie schaut seine medizinische Ausbildung und Tätigkeit aus?

Facharzt für Anästhesiologie, Oberarzt an der Anästhesiologie des
Bezirkskrankenhauses Lienz, Notarzt (Flugrettung und bodengebundenes System.



Seine Ausbildung und Aktivitäten in der Bergrettung?

Teilnahme an Fels-, Gletscher- und Lawinenübungen, Ausbildungstätigkeit in
Rettungsmedizin bei diversen Kursen.



Seine bevorzugten Bergaktivitäten?

Schitouren, Bergwanderungen, leichtere Klettertouren, kombinierte Touren (Fels - Eis).



Seine bergsteigerischen Highlights?

Glockner NW-Grat, Wiesbachhorn Nord-Wand, Alpenrautekamin.



Seine schönsten Schi- und Bergtouren in Osttirol?

Schitouren: Glockner-Ködnitzkees, Venediger-Rainerhorn, Griedenkarkopf,
Böses Weibele - Lesachtal, Plattiger Habach.

Bergtouren: Dreiherrnspitze, Rötspitze, Hochgall, Eicham, Glockner-Stüdlgrat.



Du bist als langjähriger ärztlicher Leiter der Flugeinsatzstelle früher BMI und nun Christophorus 7 auch oft mit Bergrettern konfrontiert. Wie siehst Du die Zusammenarbeit Bergrettung - Flugrettung?

Zunächst einmal rekrutieren sich alle unsere Flugretter aus der Bergrettung.
Bei den alpinen Notarzthubschrauber (NAH) - Einsätzen insbesondere bei
Seilbergungen sind wir Notärzte auf die perfekt beherrschte Bergrettungstechnik
der Flugretter angewiesen, schon alleine aus Sicherheitsgründen.
Bei Bergungen im schwierigen Gelände ist die NAH-Mannschaft dankbar für die Hilfe
weiterer Bergrettungsmänner.

Beurteilung und Erstversorgung von Verletzten durch gut ausgebildete
Bergrettungsleute noch vor Eintreffen des NAH ist besonders wichtig und wertvoll.
Eine gute Zusammenarbeit Bergrettungsmann - Flugretter ist auch bei
kombinierten Flugrettungseinsätzen von Bedeutung, wenn z.B. wegen
Schlechtwetter die Rettungsaktion terrestrisch fortgesetzt werden muss.



Du bist aber auch vermutlich der konditionsstärkste Notarzt. Sollte im Bereich der Bergrettung gezielt an der physischen Leistungsfähigkeit der Mannschaft gearbeitet werden?

Wie die Erfahrung gezeigt hat, ist für längere Anstiege bei Bergrettungseinsätzen
(mit meist schwerer Ausrüstung!) optimale Kondition der Einsatzkräfte gefragt.
Deshalb sollte schon in den Aufnahmekriterien und in der Ausbildung
besonderer Wert auf entsprechendes Training gelegt werden.



Ist für einen Intensivmediziner der medizinische Ausrüstungsstand ausreichend?

Ja durchaus.
Das Wesentliche ist, dass sich jeder gut damit auskennt und entsprechende Übung hat.
Bei den Geräten gilt - je einfacher, desto besser - komplizierte und fehleranfällige
Hightech-Geräte, die niemand bedienen kann, sind für unsere Zwecke nicht sinnvoll.



Wenn Du heute bei den aktuellen Erfordernissen und Bedingungen die Bergrettung "erfinden" müsstest, wie würde diese ausschauen?

Realistisch gesehen, soll sie im Wesentlichen so aussehen und organisiert sein,
wie heute. Eine Profitruppe wäre derzeit noch Utopie.

Lienz, März 2002

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