Der Bergführer als Ersthelfer

Ausbildungskurs ÖBRD
Landesleitung Tirol
Dr. Franz Krösslhuber
Notarzt und Bergrettungsarzt Lienz

Inhalt

  • Erste Hilfe - warum speziell der Bergführer?

  • Stellenwert des Bergsports aus gesundheitlicher Sicht

  • Anforderungen an den Ersthelfer am Berg im Vergleich zum Tal

  • Verteilung der Notfälle

  • 2 entscheidende Fragen stellen sich dem Bergführer als Ersthelfer

  • Hilfsmittel um diese Entscheidung treffen zu können

  • Notfallcheck

  • Wann kann Lageänderung bzw. Aufsetzen erfolgen?

  • Die WICHTIGEN Maßnahmen

  • Maßnahmen fürs „Image“

  • Apotheke im Rucksack und auf der Hütte

  • Zukunft


Erste Hilfe - warum speziell der Bergführer?

  • Höhere statistische Wahrscheinlichkeit
  • Jeder 4. Österreicher und Millionen Touristen wandern in den österreichischen Bergen
  • 300 tödliche Unfälle/Jahr
  • Herz- Kreislaufversagen und Mangel an alpiner Erfahrung als Hauptursachen

Stellenwert des Bergsports aus gesundheitlicher Sicht

  • Medizinische Studien stellen sehr positive Auswirkungen fest, u.a. auf Blutbild, Sauerstofftransport, Blutdruck, Gewicht, Fettstoffwechsel, Blutzucker
  • Aber auch auf die Psyche – u.a. weniger subjektive Beschwerden, positivere Lebenseinstellung, bessere Schlafqualität

Anforderungen an den Ersthelfer am Berg im Vergleich um Tal

  • Schwierigere Umweltbedingungen (Kälte, Wind, Gelände)
  • Weniger Ressourcen (kleine Rucksackapotheke, weniger Helfer)
  • Längere Alarmierungszeiten
  • Schwierige Transportbedingungen
  • Psychische Ausgesetztheit

Verteilung der Notfälle

  • Flugrettung: je nach Stützpunkt in alpinen Bereichen ca. 70% traumatologische Notfälle, davon mindestens die Hälfte leicht verletzt
  • Interne Notfälle – va. Herzinfarkt
  • Neurologische Notfälle – epileptische Anfälle und Schlaganfälle

2 entscheidende Fragen stellen sich dem Bergführer als Ersthelfer

  • Wann und wie muss ich professionelle Hilfe organisieren?
  • Was kann und soll ich überhaupt bzw. in der Zwischenzeit bis zum Eintreffen professioneller Hilfe tun?

Hilfsmittel um diese Entscheidung treffen zu können

  • Notfallcheck
  • Handy, Funkgerät, Kurier
  • Telephonnummern

Notfallcheck

  • Bewußtsein – Fragen
  • Symptome/Beschwerden? Schmerzen?
  • Atmung?
  • Kreislauf?
  • „von Kopf bis Fuß“
  • regionaler Befund

Lageänderung bzw. Aufsetzen erst wenn folgendes gegeben ist

  • Keine Nackenschmerzen, Druckschmerz der Wirbelsäule
  • Kein Schmerz, Gefühlsstörung d. Extrem.
  • Normale Gefühl bei Berührung
  • Normale Motorik
  • (möglichst nur selbstständig aufsetzen lassen)

Die WICHTIGEN Maßnahmen

  • Sichere Atemwege
  • Wirbelsäulenimmobilisation
  • Vermeiden der Unterkühlung
  • Überwachung und psych. Betreuung
  • Schockbehandlung

Maßnahmen fürs „Image“

  • Wundversorgung: Reinigung und Verband
  • PECH – Pause
  • PECH – Eis
  • PECH – Compression
  • PECH – Hochlagern
  • Knochenbrüche
  • Schneeblindheit
  • „Unpässlichkeiten“

Apotheke im Rucksack und auf der Hütte

  • Medikamente nur verwenden wenn man weiß wie sie verwendet werden
  • Schmerzmittel, krampflösende Mittel, Hustendämpfende Med., Nasentropfen, Halsschmerzen, Durchfall, Erbrechen
  • Magenschmerzen, Desinfektionsmittel
  • Aspirin, Nitrokapsel, Tramaltropfen, Augensalbe u. Tropfen,
  • SAM Splint, Blasenpflaster, Verbandsmaterial

Zukunft

  • Einführung in Medikamentenlehre?
  • Tapingtechnik?
  • Besonderheiten bei Gästen mit chronischen Krankheiten (Herzkrankheiten, nach Operationen, Zuckerkrankheit usw.)?

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